AllgemeinesGeschichten zum Träumen und erkennenUmgang mit Gefühlen

Was wäre, wenn…?

»Mama was wäre, wenn alle Menschen glücklich wären?«, fragte eines abends die kleine Lara ihre Mutter.

Die Mutter zog ihr die Decke etwas höher und strich sie liebevoll glatt. Der Vollmond warf seine Strahlen in Laras Kinderzimmer zwischen den bunten Vorhängen und streifte ihr Gesicht.

»Nun, wenn alle Menschen glücklich wären«, sagte die Mutter nachdenklich. »Dann würden sie immer nett zueinander sein.«

»Und warum sind sie nicht nett zueinander?« wollte Lara wissen.

»Nun, ich denke, dass die meisten Menschen Angst haben.«

»Angst wovor?«

»Die meisten haben Angst davor, nicht gemocht zu werden, oder etwas Falsches zu sagen oder zu tun.«

»Und deswegen sind sie gemein zu anderen?« fragte Lara überrascht. Sie verstand es nicht.

»Das ist nicht so einfach zu erklären.« Die Mutter blickte in erwartungsvolle Augen. Wie konnte dieses kleine Mädchen schon solche Fragen stellen und wie konnte sie ihr das erklären, was sie selbst oft nicht verstand. »Nun, viele Menschen haben irgendwann gelernt, wenn sie etwas Falsches sagen, was andere nicht verstehen, dann werden sie ausgelacht, oder man spricht schlecht über sie. Das haben sie irgendwann in ihrer Kindheit gelernt, in der Schule oder im Kindergarten und seitdem haben sie Angst, dass sich diese Erfahrung wiederholt und sie sich wieder so schlecht fühlen wie damals. Nach und nach haben sie Etwas gefunden, das ihnen hilft diese Gefühle zu vermeiden. Manche fangen zum Beispiel gleich an zu streiten und werden schnell wütend. Andere wollen nur noch in Ruhe gelassen werden und gehen vor lauter Angst weg.«

»Aber das macht doch keinen Sinn Mama. Warum sollte jemand der selbst schlechte Erfahrungen gemacht hat, andere schlecht behandeln?«

Wieder staunte die Mutter über die Weisheit ihrer Tochter.

»Ich denke, weil sie da gelernt haben keine Gefühle zu zeigen und wenn wir unsere Gefühle verleugnen, dann können wir mit der Zeit keine Liebe empfinden, dann werden wir irgendwann so hart zu den andere und zu uns selbst.«

»Aber wenn alle lieben könnten, einfach so, dann wären sie glücklich, oder?«

»Wenn alle einfach so lieben könnten und keine Angst davor hätten diese Liebe anderen zu zeigen, dann würden alle Menschen glücklich sein. Dann wären alle freundlich zueinander. Es würde kein Neid und kein Streit mehr geben, weil die Menschen Mitgefühl für die anderen empfinden würden. Wenn die Menschen keine Angst mehr hätten, würde jeder das tun was seine Seele zum Singen bring. Niemand würde mehr Angst davor haben, was andere denken, oder davor, ausgelacht zu werden, weil jeder seinem Seelenplan folgen würde. Es würde keine Kriege mehr geben, weil niemand niemandem etwas wegnehmen würde. Wir würden miteinander teilen. Wenn die Menschen verstehen würden, warum sie auf dieser Welt sind, dann könnten alle Menschen glücklich sein.«

Lara hielt den Atem an, denn die Vorstellung von so einer Welt gefiel ihr. Dann fragte sie.

»Und warum sind wir auf dieser Welt, Mama?«

»Um wieder Lieben zu lernen und anderen daran zu erinnern, mein Kleines.«

»Das ist schön Mami. Dann werde ich die Erste sein, die den Menschen zeigt, wie man liebt.« Mit strahlenden Augen schloss Lara ihre Arme um die Mutter. Langsam fielen ihr die Augen zu. 

»Das wirst du mein Kleines.«, sagte die Mutter und streichelte ihr liebevoll über die Wange.

»Gute Nacht Mami.«

»Gute Nacht meine Kleine.«

Mit Tränen in den Augen blieb die Mutter noch eine ganze Weile am Bett ihrer Tochter sitzen. Ein noch nie gekannter Schmerz erfüllte sie. Sie bemerkte wie hart sie sich selbst oft gegenüber war. Wie hoch ihre Erwartungen an die Menschen in ihrem Umfeld waren. Sie erkannte, dass sie selbst vergessen hat zu lieben, aus Angst nicht zu genügen und den Erwartungen anderer nicht zu entsprechen. Doch dieses wundervolle Wesen vor ihr, das jetzt so friedlich schlief und für den es so selbstverständlich war mit sich selbst einverstanden sein, so zu sein, wie sie von Anfang an gedacht war, frei und so voller Liebe, erinnerte sie wieder daran.

 

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