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Empathie – Wie differenzierst du zwischen deinen eigenen und fremden Gefühlen?

Ich kann mich noch wie heute an die Tage erinnern, als ich mit dem Zug fast jeden Tag zu Arbeiten fahren musste. Die vielen Gerüche und vor allen Dingen die vielen Gefühle haben mich jedes Mal so sehr erschöpft. Am Ende des Tages wusste ich überhaupt nicht mehr was zu mir gehörte und was nicht. Die Stimmen und Gespräche in meinem Kopf fuhren Karussell und ich hatte viel Mühe zur Ruhe zu kommen.

An eine Situation erinnere ich mich noch ganz genau. Ich saß in der S-Bahn, zwei Frauen stiegen hinzu und setzten sich mir gegenüber. Die eine Frau erzählte sehr aufgeregt etwas über eine Bekannte (man konnte das Gespräch nicht überhören). Ich spürte plötzlich wie mein Puls anfing zu steigen und ich selbst immer aufgeregter wurde. Mir wurde heiß und ich wurde zunehmend wütend. Ich erkannte zum ersten Mal ganz genau, dass diese Gefühle nichts mit mir zu tun haben und setzte mich in dem Abteil um. Schon wurde ich ruhiger und entspannter.

Seitdem achte ich ganz genau darauf, welche Gefühle zu mir gehören und welche nicht.

Das ist jedoch gar nicht so einfach. Das Beispiel mit der Bahn ist nun eindeutig. Doch wie gehen wir mit der Gefühlsüberflutung im Alltäglichen Leben um? Die dauernd meckernde Kollegin. Die Mutter, die ihre Sorgen bei uns abladen will. Die Freundin, die Streit mit ihrem Freund hat und sich einem anvertraut. All diese Gefühle, der anderen Menschen können ungefiltert in unser System eindringen und uns am Ende des Tages völlig überlasten. Dazu kommt, dass wir dann immer weniger Zugang zu unseren eigenen Gefühlen und Wünschen und somit zu unserem Potenzial haben. Wir können nur schwer unterscheiden, was zu uns gehört und die innere Stimme, die uns leiten soll, wird immer mehr von den Stimmen der Mitmenschen übertönt.

Wie können wir trotzdem im Kontakt mit den Menschen bleiben und uns energetische von ihnen abgrenzen?

Ich möchte mit dir eine ganz tolle Übung teilen, die mir hilft bei mir zu bleiben, meine Gefühle wahrzunehmen und trotzdem im Kontakt mit den Menschen zu sein. Wie bei allem braucht es natürlich Achtsamkeit und Übung. Mit der Zeit wird es fast selbstverständlich sein die fremden Gefühle von den eigenen unterscheiden zu können.

Zu aller erst musst du deine Aufmerksamkeit von der anderen Person zu deinem Körper lenken. Versuche deinen gesamten Körper zu fühlen. Deinen Atem. Stelle dir vor wie du ganz fest auf dem Boden stehst und nichts kann dich wegbewegen. Dann lenke deine Aufmerksamkeit in deinen Bauchraum. Wie fühlt es sich in deinem Bauch an? Was sind für Gefühle da? Ist es ganz ruhig und entspannt, oder kribbelt es und fühlt sich nicht besonders gut an? Bleib trotzdem in Verbindung mit dem Menschen und achte weiter auf deinen Bauchgefühl. Schaffe Raum dafür, nimm es nur wahr und bleibe bewusst dabei. Du brauchst keine Angst vor diesem Gefühl zu haben, auch wenn es nicht deines ist. Solange es dir bewusst ist, kann nichts passieren. Mache dir bewusst, dass es nichts mit dir zu tun hat. Bleibe weiter in Verbindung mit deinem Körper und deinem Atem und stelle dir dabei vor, wie die gesamte fremde Energie von dir abfließt. Bleibe nach dem Gespräch weiterhin mit deinem Körper verbunden und achte ganz liebevoll darauf, welche Gefühle jetzt in deinem Körper zu spüren sind. Es darf alles da sein. Wenn du merkst, dass du trotzdem den Ärger, Freude, Traue, was auch immer, von der anderen Person in dir spürst, dann fühle ganz genau da hinein. Du erkennst es daran, dass sich dieses Gefühl fremd und flach anfühlt, wenn du spürst, dass das Gefühl mehr wird und intensiver, dann ist es höchstwahrscheinlich von dir und wurde von der Begegnung mit dem Menschen ausgelöst.


Die Begegnungen, mit anderen Menschen können auch immer ein Lerncharakter für uns haben, wenn wir es zulassen. Frage dich dann warum du diese Gefühle hast? Welche Erfahrung in deinem Leben möchte dadurch geheilt werden? Nimm dir die Zeit und fühle ganz genau hinein. Fremdes Gefühl würde schnell abflachen und dein eigenes würde noch tiefer führen zu dem eigentlichen Gefühl, dass da ist und gefühlt werden möchte. Durch das Zulassen und Fühlen deiner Gefühle kommst du immer mehr in eine tiefe innere Ruhe und somit zu dir selbst. Du brauchst keine Angst vor deinen Gefühlen zu haben. Oft fühlt es sich nicht gut an und wir haben gelernt, diese Gefühle zu unterdrücken. Das tückische daran ist, dass diese Gefühle immer wieder kommen und oft sogar noch verstärkter. Versuche dabei zu entspannen und sei dir bewusst, dass es vorbei geht, wenn du dich darauf einlässt.

Ein weiterer Aspekt sind deine Gedanken. Kennst du es auch, dass plötzlich irgendwelche Gedanken in deinem Kopf sind und du dich wunderst woher das kommt? Wenn dir diese Gedanken fremd und eigenartig vorkommen, dann sind es höchstwahrscheinlich auch nicht deine. Das klingt jetzt vielleicht merkwürdig, aber wenn du empathisch und sensibel auf deine Umgebung reagierst, dann kannst du auch die Gedanken deiner Mitmenschen wahrnehmen. Hinterfrage in diesem Fall ganz genau, ob sie deiner Wahrheit entsprechen.

Wenn dein Geist still ist, kannst du immer mehr deine innere Stimme wahrnehmen. Die Stimme deiner Seele, die dich leitet, wenn du es zulässt.

4 Gedanken zu „Empathie – Wie differenzierst du zwischen deinen eigenen und fremden Gefühlen?

  1. Vielen DANK für Ihre Offenheit – an uns Leser und Interessierte…
    Als ich eine ZEILE um die NÄCHSTE las, ist mir eine meiner Gewohnheiten bewusst geworden…
    Bei diversen Menschen, Personen – und/oder Verwandten, neige ich dazu, deren Leid zu
    übernehmen- d.h. hier findet eine Übertragung statt, und ich kann mich trotz gut gemeinter
    Ritualvorschläge meiner Mitmenschen nicht schützen…Meistens sind es jene Menschen, die mir sehr
    am Herzen liegen…
    Emotional, so erscheint es mir, verliere ich mich im Gegenüber…
    Mehr als einmal, wurde mir eine HYPERSENSIBILITÄT nachgesagt…
    Liebe Grüße
    Viola

  2. Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag. Ja ich sehe es auch sehr wertvoll an und es ist eine gute Chance, durch das bewusste Fühlen, und wahrnehmen der Gefühle, die von außen kommen zu lernen, und sich selber aufmerksam zu sein. Dennoch erscheint es mir manchmal genau so wichtig, sich im Vorfeld, bevor man auf Menschenmengen trifft, sich bewusst abzugrenzen, bzw. sich auch zu energetisch zu schützen,zum Beispiel durch weisses Licht.Aber es ist wirklich wertvoll, wenn man in seiner Mitte ist, die Gefühle zu beobachten und bewusst achtsam wahrzunehmen, von wem sie sind und was sie in einem auslösen. Auch Gedanken telepathisch aufzunehmen ist so spannend. Danke für Deinen Beitrag, er hat mich angesprochen sensibler und achtsam er darauf zu achten, um mich selber dadurch ein Stück weit besser kennenzulernen. Danke liebe Ellen. Lieber Gruß Kerstin

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