AllgemeinesBerufungGeschichten zum Träumen und erkennen

Das Körnlein

Eines Tages, im tiefsten Winter klopfte es an die Tür der kleinen windschiefen Hütte. Der Bauer, der mit seiner Familie die Hütte bewohnte öffnete die Tür und eisige Böe wehte den Schnee von draußen herein. In der Hütte war es warm und gemütlich, leckerer Gemüseeintopf mit den Resten der letzten Hühnerschlacht kochte auf der Kochstelle.

Ein alter in dünne Fetzen eingehüllter Mann stand vor der Tür. Eiskristalle glänzten in seinem Bart.

  »Gewehre mir Einlass«, bat der alte Mann. »Und du wirst es nicht bereuen«.

Der Bauer sah sich um. Am Esstisch saß seine ganze Familie: Seine Frau und seine vier Kinder. Es war ihm nicht wohl bei dem Gedanken den Fremden einzulassen, auch weil sie selbst nicht mal genug zu Essen hatten. Nach der Dürre des letzten Sommers ist das ganze Getreide vertrocknet und er konnte nur ein Viertel des Ertrages dem Müller geben.

Doch der alte zerlumpte Mann tat ihm leid und weit und breit war seine Hütte die einzige in dieser Gegend. Könnte er mit dem Gedanken leben, den alten Mann in dieser eisigen Nacht erfrieren zu lassen? Das konnte er nicht und bat den Alten einzutreten.

Seine Frau holte gerade den Kessel von der Feuerstelle und stellte ihn auf den Tisch.

So wie es üblich war bekam immer der älteste den größten Löffel, also bat der Bauer den alten sich mit ihnen an den Tisch zu setzten und überließ ihm sein Löffel.

Nicht lange danach war der Kessel leer und die Bäuche voll. Die Familie legte sich zum Schlafen und wieder überließ der Bauer dem alten, so wie es üblich war  sein Schlafplatz auf dem Offen, wo es warm und trocken war. Er selbst legte sich mit seiner Frau vor das Feuer auf den Boden.

Am nächsten Morgen sagte der Alte:

  »Du hast mich aufgenommen und hast mich genährt. Du hast mir dein Schlafplatz überlassen und dafür will ich dir mein Schatz geben.«

Er reichte ihm ein einziges Körnchen.

  »Pflanze es im Frühling vor deine Hütte, gieße es mit deinem letzten Wasser und behüte es mit deinem Leben«, hatte er gesagt.

Der Bauer tat wie ihm geheißen. Als der Frühling kam, pflanzte er das Korn, ohne zu wissen, was er da pflanzte. Auch diese Mal war ihm nicht wohl bei der Sache. Doch er hat gelernt Achtung vor den Alten zu haben und ihre Weisheit zu ehren. Also goss er das Korn und beschützte es vor dem Ungeziefer. Er verbrachte viel Zeit damit es zu pflegen und vernachlässigte seine Felder. Seine Frau schimpfte mit ihm, aber er hörte nicht auf sie. Hatte der Alte doch gesagt, er solle sich gut darum kümmern.

Zum Herbst wurde das Pflänzlein größer, doch der Bauer wusste immer noch nicht den Nutzen davon. Der Winter kam, genauso hart wie der Vorige und wieder hatte der Bauer nicht genug Getreide gehabt.

Das letzte Körnchen war verbraucht, als der Frühling kam. Nicht mal für die Aussaat hatte der Bauen noch genug. Wieder schimpfte seine Frau mit ihm, sie hätten nicht genug zu Essen. Was sollte nur aus ihnen werden? Schlimmer noch im dem harten Winter verlor er eines seiner Kind an die Grippe. Hätte er genug Geld gehabt, hätte er ein Arzt rufen können.

Doch der Bauer gab nicht auf. Er pflegte sein Bäumlein auch diesen Frühling und Sommer. Im Frühling blühte es wunderschöne weiße Blüten und im Sommer hingen kleine Früchte daran. Der Bauer kannte bisher nur Korn und wunderte sich was er mit den Früchten anfangen sollte, doch er pflegte sein Bäumlein immer weiter.

Der Herbst kam und die Früchte wurden größer und reifer, das Bäumlein wurde dicker und voller und bevor er sich versehen konnte, stand ein wunderschöner Apfelbaum vor seiner Hütte. Die Früchte waren die saftigsten und süßesten die er je gegessen hatte.

Mit einem Karren voller Äpfel ging er zum Markt und schon nach kurzer Zeit hatte er alle verkauft. Er hatte genug Geld für den ganzen Winter für seine Familie und sogar noch Geld für neue warme Kleidung für die Kinder.

Die Neuigkeiten verbreiteten sich schnell in dieser Gegend und nicht lange danach stand der König höchst persönlich vor seiner Hütte.

  »Gibt es bei dir die herrlichen Äpfel?« fragte er den Bauer.

  »Ja, Hoheit«, antwortete dieser.

Auch seine Frau kam aus der Hütte geeilt. Konnte sie doch ihren Augen nicht trauen, dass der König höchst persönlich an den Rand der Stadt kam, um sich die Äpfel von dem Apfelbäumlein ihres Mannes zu holen.

  »Gib mir den Rest der Äpfel, die noch an dem Baum hängen und ich werde dich reich belohnen«, sagte der König.

Und auch dieses Mal tat der Bauer wie ihm geheißen. Er pflügte die restlichen Äpfel von dem Baum und überreichte sie dem König. Der König seinerseits gab ihm einen Beutel voller Gold für die leckeren Äpfel.

Von nun an musste seine Familie nie wieder Hunger leiden. Der Apfelbaum brachte jedes Jahr reichere Ernte ein und der König kam höchst persönlich um sich sein Anteil abzuholen und den Bauern dafür reich zu belohnen.

Der Bauer pflanzte noch mehr Körner ein und schon bald entstand dort wo vorher noch Korn wuchs wunderschöne Apfelplantage.

Wie können wir es schaffen uns selbst zu vertrauen?

Der Bauer vertraute seinem Gefühl, seinem Instinkt und folgte ihm. Nichts konnte seinen Glauben erschüttern, auch nicht die vermeintlichen Niederlagen. 

Indem wir stets unserem Herzen folgen. Uns immer wieder fragen, ob es genau das ist, was wir wollen, was uns Freude bereitet und ob es das Leben ist, was wir leben wollen.

Indem wir unserem Herzen folgen, werden wir vom Universum reich beschenkt. Wir dürfen nur nicht an uns zweifeln. Indem wir unserem Herzen folgen, sind wir Vorbilder für andere und es werden noch mehr Menschen folgen.

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